Bevölkerung

Mit einer Bevölkerungszahl von ca. 35 Mio. ist Kanada, der zweitgrößte Staat der Erde, äußerst dünn besiedelt (noch dünner als z.B. Argentinien oder Uruguay). Trotzdem gibt es hier natürlich auch Millionenstädte wie Toronto oder Montreal. Die meisten Kanadier leben an der Grenze zu den USA, fährt man weiter nördlich wird es bis auf wenige Zentren aber nahezu menschenleer und man findet viel Platz für Landschaft und Tierwelt.

Kanada ist ein klassisches Einwanderungsland und bis heute im Vergleich zu vielen anderen Einwanderungsländern recht liberal was den Zuzug von Neubürgern angeht. Größte Einwanderergruppen waren in der Vergangenheit Menschen von den Britischen Inseln und Frankreich. Die Franzosen siedelten sich vornehmlich in Quebec und den Atlantikprovinzen in Ostkanada an.

waterloo kanada
Waterloo wurde 1804 von deutschsprachigen Mennoniten gegründet

Weitere wichtige Herkunftsländer der heutigen Kanadier waren Italien, Deutschland und die weiteren deutschsprachige Länder sowie die Niederlande, Osteuropa und Nordeuropa. In den letzten Jahren wählten verstärkt auch Zuwanderer aus Asien, insbesondere VR China und Hongkong das Land als ihre neue Heimat. Ebenfalls zogen zahlreiche Inder nach Kanada, sowie Menschen aus Lateinamerika und der Karibik.

Da Kanada traditionell in politischen und wirtschaftlichen Fragen gemäßigter als die USA ist, siedeln hin und wieder auch einige US-Amerikaner nach Kanada über.

Neben diesen Einwanderergruppen gibt es noch viele kleinere Volksgruppen, insbesondere die indigenen Ethnien, die auch First Nations genannt werden. Dazu kommen noch die Inuit in der Polarregion, die mit Nunavut ein eigenes Territorium haben. Erwähnenswert sind auch die Métis, eine Mischbevölkerung aus Nachkommen von Europäern und Indianern.

 

Englisch und Französisch

Kanada ist seinen Ethnien gegenüber recht liberal und fördert im Gegensatz zu anderen Einwanderungsländern auch die Beibehaltung der Kultur und Traditionen der Einwanderer. Vielleicht ist dies auch neben den wirtschaftlichen Bedingungen ein Grund, warum Kanada so ein beliebtes Zielland zum auswandern ist.

Trotz dieser relativ liberalen Haltung erwartet der Staat und die Gesellschaft allerdings eine möglichst schnelle Erlernung der Amtssprachen (Englisch, Französisch). Wer dauerhaft in Kanada leben will, der muss entsprechende Kenntnisse besitzen. Im Idealfall sollte man Sprachkenntnisse in beiden Sprachen besitzen, wenn man sich außerhalb von Quebec und New Brunswick ansiedelt, reichen allerdings auch solide Englischkenntnisse.

Den Status des Französischen sollte man allerdings nicht unterschätzen. Zwar spricht nur ein Fünftel der Kanadier Französisch als Muttersprache, aber unter anderem das Amtssprachengesetz (engl. Official Languages Act, frz. Loi sur les langues officielles) garantiert die offizielle Zweisprachigkeit im Parlament, der Gesetze, der Justiz und der Bundesverwaltung und deren Dienstleistungen.

Französischsprachige Minderheiten existieren auch in Ontario, wo einige Gemeinden dem Französisch den Status einer zweiten Amtssprache einräumen. Ebenfalls bedeutende Minderheiten von frankophonen Sprechern findet man in Alberta und Manitoba. In Ontario und Manitoba ist Französisch auch gleichberechtigt im Provinzparlament zu verwenden.

Bei aller englischsprachigen Dominanz ist es in ganz Kanada immer von Vorteil auch etwas Französisch zu sprechen.

 

Deutsche in Kanada

Obwohl in Kanada nur Englisch und Französisch Amtssprachen sind, wird Deutsch noch von ca. 1,5 % der kanadischen Bevölkerung gesprochen. Das entspricht knapp einer halben Millionen Kanadier. Auch wird Deutsch als Fremdsprache angeboten. Viele Deutsche sind in den vergangenen Jahrhunderten nach Kanada ausgewandert. Dabei findet man Deutschstämmige in nahezu allen Provinzen des Landes. Ursprünglich stammten diese nicht unbedingt aus Deutschland, sondern auch aus Österreich-Ungarn (dazu zählen neben Österreichern auch deutschstämmige aus den heutigen Balkanländern), der Schweiz, dem Elsass, Südtirol und besonders auch Russland.

Besonders auch die aus Russland stammenden Mennoniten sind bis heute ihrem Glauben und Traditionen treu geblieben. Man findet sie besonders in Ontario, aber auch in Manitoba und Saskatchewan. Auch nach den beiden Weltkriegen kam es zu Einwanderungswellen aus Europa, besonders auch aus deutschsprachigen Ländern oder Deutschsprachigen aus Osteuropa nach Kanada.

Als älteste deutsche Siedlung in Kanada gilt Lunenburg (es wurde 1753 von deutschen Siedlern gegründet) in Nova Scotia, dass mit seinen bunten Holzhäusern übrigens zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt.

Bis heute stellen die Deutschstämmigen (auch Deutschkanadier genannt) die drittgrößte Einwanderergruppe des Landes. Wie aber auch in den USA sind die Deutschen sehr gut integriert (manche Gegner dieser Tatsache nennen es „zu stark angepasst“), so dass man die alten, typischen deutschen Traditionen im Gegensatz zu anderen Volksgruppen eher zurückhaltend wahrnimmt. Oft wissen die Deutsch-Kanadier durchaus noch, aus welchen Regionen ihre Vorfahren kamen, sei es aus Bayern, Schwaben oder der Nordeifel.

Es gibt aber auch in Kanada noch regelmäßig deutsche Feste, Vereine, Zeitungen und andere lokale Traditionen. Das bekannteste Oktoberfest in ganz Nordamerika ist zum Beispiel das Kitchener Waterloo Oktoberfest in Ontario. Hier wird neun Tage lang mit Bratwurst, Bier und deutscher Musik und Trachten gefeiert. Maskottchen ist Onkel Hans, der auch bei der Thanksgiving Parade durch die Stadt zieht. Außerdem gibt es in Kitchener auch einen typisch deutschen Christkindlmarkt zur Weihnachtszeit.

Es gibt auch eine große Gruppe Deutschkanadier in Alberta, die mit dem „Albertaner“ sogar eine monatlich erscheinende Zeitung besitzen. Auch andernorts findet man einige deutschsprachige Medien, wobei diese meist mit kleiner Auflage erscheinen und regional begrenzt sind.

Mennonitische Zeitungen sind z.B. „Der Bote“ und „Die Mennonitische Post“ sowie die „Mennonitische Rundschau“. Weitere Zeitungen auf Deutsch sind die „Deutsche Presse“, die als eine der größten Zeitungen für Deutsche in ganz Nordamerika gilt, sowie die „Deutsche Rundschau“ und das „Canada Journal“. Die „Pazifische Rundschau“ kommt aus British Columbia und erscheint alle zwei Wochen.

 

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