First Nations

Als First Nations werden in der Regel die indigenen Ureinwohner von Kanada bezeichnet. Wenn man dagegen von First Peoples spricht, meint man zusätzlich noch die Métis (Nachkommen von Europäern mit den Cree-Indianern) und die Inuit.

Mittlerweile werden auch in den USA die Indianer gerne als Frist Nations oder First Americans bezeichnet, gebräuchlich sind aber auch Native Americans oder eben American Indians.

Der Begriff First Nations hat einen großen rechtlichen Vorteil: durch den Begriff „Nation“ können sich die Indigenen auf das Völkerrecht berufen und nicht nur auf einen Minderheitenschutz. Fast 4 % der Kanadier zählen zu den Ureinwohnern.

 

Über 600 vom Staat anerkannte Stämme

Ungefähr 700.000 Einwohner des heutigen Kanadas betrachten sich selbst als Indianer. Es gibt über 600 vom Staat anerkannte Stämme, wovon fast 200 dieser Gruppen in der pazifischen Provinz British Columbia leben. Mit fast 160.000 Einwohnern hat Ontario die meisten Angehörigen der Ureinwohner. Es folgt British Columbia mit ca. 130.000 Indigenen.

Den höchsten Anteil aller Provinzen in Relation zur Bevölkerung hat Saskatchewan. Hier sind fast 14 % der Bewohner Indigene, immerhin ca. 92.000 Menschen. Zuständig für die Beziehungen zwischen Staat und First Nations ist das Department of Aboriginal Affairs and Northern Development, dass ferner auch für die Territorien zuständig ist und somit auch für Métis und Inuit.

In den Besitz der Stämme fallen mehrere Reservate (reserves). In Kanada gibt es um die 3.000 dieser Reservate, wobei mehr als die Hälfte hiervon wiederum in British Columbia liegen. Die meisten Angehörigen der First Nations leben in Kanada allerdings mittlerweile nicht mehr auf dem Gebiet der Reservate. Den größten Anteil an Indigenen hat der Ort Prince Rupert in B.C. mit immerhin ca. 32 %, größte Städte mit indigener Bevölkerung sind Winnipeg und Vancouver. In Winnipeg findet auch das Manito Ahbee Festival statt, wo man einen guten Überblick über die Traditionen der First Nations bekommt.

Die größten Stämme sind Mohawks of Akwesasne (Ontario), Kainai (Alberta), Kahnawake (Quebec) und die Saddle Lake (Alberta).

Es gibt über 50 Sprachen der Ureinwohner und so unterschiedlich wie die Sprachen sind auch die Kulturen, Künste, Musik, Feste und Traditionen. Bevor Europäer nach Nordamerika kamen, lebten die einzelnen Stämme in unterschiedlichen Landschaften und Klimazonen. Im Westen und Osten lebten meist sesshafte Gruppen, während die Indigenen in den Steppen und Graslandschaften als Nomaden umherzogen. An den Küsten lebten sie auch vom Fisch- und Walfang.

 

Unterschiedliche Traditionen und Sprachen

Im Westen und an den Großen Seen lebten die First Nations oft in Großdörfern und in Langhäusern, besonders auch die Religion und spirituelle Riten sowie die Schamanen waren im Alltag von wichtiger Bedeutung. Viele Stämme lebten auch in den bekannten Tipis und Wigwams. Man unterschiedet auf dem Gebiet von Kanada ca. 5 Kulturareale: Das Waldland im Nordosten, die Prärie und die Plains, Plateau, Westküste und Subarktis.

Viele Sprachen und Sprachgruppen entwickelten sich, es gab aber durchaus auch Bündnisse und Konföderationen zwischen den einzelnen Stämmen. Viele Sprachen der Indigenen sind heute ausgestorben, Englisch und in Quebec und den Atlantikprovinzen auch Französisch sind die wichtigsten und übergreifenden Sprachen auch der Frist Nations. Heute sind aber noch ca. 50 Sprachen aktiv in Gebrauch, sie gehören 10 Sprachfamilien an. Weit verbreitet ist die Algonkin-Sprachfamilie und hier besonders Cree.

Neben Gewaltanwendung der Siedler sind viele Indigenen durch Epidemien eingeschleppter Krankheiten zum Opfer gefallen. Später wurden die Reservate eingerichtet. Lange wurden die Angehörigen der First Nations gesellschaftlich und politisch benachteiligt. Der Staat versuchte durch Assimilierungsmaßnahmen (unter anderem durch Einfluss in der Bildung) die Kultur und Sprache der Ureinwohner zu verdrängen. Erst ab 1960 durften zum Beispiel die Reservate erst an Bundeswahlen teilnehmen. Diese deutliche Benachteiligung der Indigenen hat sich zwar geändert, trotzdem gibt es bis heute Spannungen und soziale Probleme aus dieser historischen Entwicklung.

Die Anteil der jüngeren Bevölkerung ist bei den First Nations überdurchschnittlich hoch, so dass ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Kanadas zukünftig wohl steigen wird. Es gibt durchaus einige Stämme, die zu Wohlstand gekommen sind, aber viele Angehörige der indigenen Gruppen leben immer noch in Armut. Seit 2003 haben sie mit der First Nations University of Canada eine eigenen Universität. Diese Bildungseinrichtung wird von der Federation of Saskatchewan Indian Nations betrieben und befindet sich in der Hauptstadt von Saskatchewan, Regina.

Mehr auch auf der Internetseite des Departments of Aboriginal Affairs and Northern Development.

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