Sprachen

Die beiden Amtssprachen von Kanada sind Englisch und Französisch. Wie auch in den USA ist das kanadische Englisch ein abgewandeltes Idiom des britischen Englisch. Auch das Französisch Quebecs und den anderen Regionen des Landes weist Unterschiede zum europäischem Französisch auf. Dazu kommen lokale Formen, die sowohl Englisch als auch Französisch vermischen.

Ebenfalls treten im Alltag oft Anglizismen und Gallizismen auf. Die Sprachensituation ist im Gegensatz zu den USA erstaunlich komplex. Ein großer Teil der Kanadier hat zudem keine der Amtssprachen als Muttersprache. Dieser hohe Wert erklärt sich zum einen aus der Tatsache, dass Kanada bis heute ein klassisches Einwanderungsland ist und viele Menschen ihren Geburtsort außerhalb des Landes haben.

Daneben sollte man aber auch beachten, dass Kanada kulturell eine andere Philosophie als die meisten anderen Einwanderungsländer hat. Natürlich fordert man auch in Kanada eine schnelle Integration und Identifikation mit der kanadischen Gesellschaft und dem kanadischen Staat. Man fördert aber auch die unterschiedlichen Kulturen und Sprachen der Herkunftsländer. Vielleicht ist diese Gradwanderung der Grund, warum Kanada wesentlich sicherer und friedlicher ist als andere Länder.

sprachen in kanada
Der Pass zeigt die beiden Amtssprachen von Kanada

In mehreren Gesetzen und Regelungen, unter anderem im Amtssprachengesetz ist die Zweisprachigkeit auf Englisch und Französisch festgelegt. Der Großteil der französischsprachigen Kanadier lebt in der Provinz Quebec, diese ist auch offiziell die einzige mit Französisch als alleinige Amtssprache. New Brunswick ist daneben die einzige Provinz des Landes, wo beide Sprache offiziell sind.

Alle anderen Provinzen sind englischsprachig, wobei die Nordwest-Territorien einige Sprachen der First Nations wie Chipewyan, Cree, Dogrib, Gwich’in, Inuinnaqtun, Inuktitut, Inuvialuktun, North Slavey und South Slavey offiziellen Status geben. Im Territorium der Inuit, Nunavut sind Inuktitut und Inuinnaqtun ebenfalls Amtssprachen.

Die kanadischen Bundesbehörden sind allerdings verpflichtet beide Sprachen zu verwenden, ebenso die Gerichte, das Parlament und die Gesetze.

 

Akadier und kanadisches Gälisch

In Ontario gibt es einige Gemeinden, die Französisch auf lokaler Ebene als Amtssprache zugelassen haben. Auch in Alberta und Manitoba gibt es kleinere frankophone Sprachgruppen sowie die Akadier in New Brunswick, in Nova Scotia (insbesondere auf der Cape-Breton-Island) und der Prince Edward Island.

Die Akadier (frz. Les Acadiens) sind Nachkommen der französischen Siedler aus den französischen Regionen Poitou, Bretagne und Normandie und sind bis heute stolz auf ihre Herkunft. Sie sind übrigens verwandt mit den Cajuns im US-Bundesstaat Louisiana, die dort ebenfalls eine sehr aktive regionale Rolle übernehmen.

Sie pflegen ihre Sprache (ein abgewandeltes Französisch mit lokalen Unterschieden) und ihre Traditionen. Mittlerweile gibt es einige Literatur und moderne Popmusik in diesem Dialekt. Ihr Siedlungsgebiet sind die kanadischen Atlantikprovinzen und der US-Bundesstaat Maine, .Seit den einigen Jahren findet auch regelmäßig ein internationaler „Congrès mondial acadien“ statt.

Sie haben eine eigene Flagge (die französische Trikolore mit einem goldenen Stern im oberen Eck). Die Akadier sind meist römisch-katholisch, was sie wiederum von den Nachkommen der englischsprachigen Siedlern unterscheidet.

Früher war das kanadische Gälisch (eingeführt von schottischen Einwanderern) noch die dritthäufigste Sprache Kanadas. Diese Sprache wurde jedoch durch die Jahrhunderte zugunsten des Englischen mehr und mehr zurückgedrängt. Heute gibt es nur noch wenige Sprecher dieser Sprache, vornehmlich in Nova Scotia und in der Provinz Prince-Edward-Island.

 

Deutsch, Chinesisch und andere Sprachen

Als Einwanderungsland hat Kanada aber noch viele andere Sprachen, die jedoch keinen offiziellen Status haben aber zum Beispiel vereinzelt als Schulsprachen oder in bestimmten Medien verwendet werden. Immerhin über 20% haben weder Englisch noch Französisch als Muttersprache (sogenannte Allophone), denn noch heute kommen jedes Jahr Menschen aus China, Indien, Italien, Deutschland oder anderen Ländern der Erde als Einwanderer nach Kanada.

Neben den Amtssprachen sind im privaten und teilweise wirtschaftlichen Bereich einige andere Sprachen verbreitet. Dies sind insbesondere Chinesisch und andere asiatische Sprachen sowie Italienisch, Deutsch und Spanisch. Diese werden in Schulen zum Teil auch als Fremdsprachen angeboten.

Es gibt einige deutsche Zeitungen im Land wie die „Deutsche Presse“ und die „Deutsche Rundschau“. Außerdem gibt es zahlreiche Oktoberfeste mit vermeintlich deutschen Traditionen, Trachten, Musik und natürlich Bier und Bratwurst.

Das bekannteste Fest ist dabei das Oktoberfest von Kitchener Waterloo in Ontario, das als größtes seiner Art in ganz Nordamerika gilt. In der Weihnachtszeit gibt es in Kitchener außerdem einen Christkindlmarkt. Auf deutsche Traditionen geht auch der Groundhog Day zurück, den spätestens seit dem Kinofilm aus dem Jahre 1993 mit Bill Murray und Andie MacDowell fast jeder kennt.

Auch in Kanada gibt es entsprechende Feste mit Waldmurmeltieren. Die zahlenmäßig starke deutsche Volksgruppe ist aber ansonsten kulturell und sprachlich stark integriert, so dass sie nicht so stark in Erscheinung tritt wie andere Gruppen.

Wie auch in den USA wurde viele deutsche Familien- und Städtenamen in Kanada in der Zeit der Weltkriege in englische Varianten umbenannt.

Insbesondere die aus Osteuropa eingewanderten deutschsprachigen Mennoniten bilden bis heute eine sehr traditionell orientierte Minderheit. Sie spricht bis heute vielfach die deutsche Mundart, so dass sie regional durchaus deutlich in Erscheinung treten. Man findet sie vornehmlich im südlichen Ontario aber auch Manitoba, Saskatchewan und Alberta.

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